Der ideale Zeit­punkt für den Energie­anbieter­wechsel

Philip Gutschke
Bereichsleiter Energie­beschaffung

zuletzt aktualisiert: 16.01.2026

Kurz und knapp

  • In sieben der vergangenen zehn Jahre lagen die durchschnittlichen Energiepreise im vierten Quartal über dem Jahresdurchschnitt.

  • Ebenfalls zeigte sich das erste Halbjahr in sieben von zehn Jahren als der günstigste Zeitraum für einen Anbieterwechsel, insbesondere das erste Quartal.

  • Eine professionelle Energiebeschaffung ist entscheidend. Eine Einkaufsgemeinschaft mit ihren Marktanalysten und Großhandels-Vorteilen kann den Unterschied machen.

Regelmäßig erscheinen Berichte in den Medien, die behaupten, das vierte Quartal sei der beste Zeitpunkt, um den Strom- oder Gasvertrag zu wechseln. Tatsächlich ist das Jahresende nicht unbedingt ideal für einen Anbieterwechsel, da die Energiepreise in der kalten und dunklen Jahreszeit aufgrund der erhöhten Nachfrage in der Regel höher sind.

In diesem Artikel zeigen wir auf, wie sich die Energiepreise in den letzten Jahren entwickelt haben, welche Erkenntnisse sich daraus ableiten lassen und wann sich erfahrungsgemäß idealere Zeitpunkte für einen Wechsel ergeben.

Der ideale Zeitpunkt für den Energieanbieterwechsel 2025

Im Jahr 2025 lag das ideale Zeitfenster für den Anbieterwechsel im März und April.

Nach den verbrauchsintensiven Wintermonaten ging die Nachfrage nach Energie spürbar zurück, gleichzeitig standen auch wieder mehr erneuerbare Energien zur Verfügung.

Zusätzlich waren mit der US-Präsidentschaftswahl und der Bundestagswahl in Deutschland (Ende Februar) zentrale politische Unsicherheiten weitgehend eingepreist.

In dieser Phase, in der die Marktbedingungen im ersten Halbjahr erfahrungsgemäß besonders attraktiv sind, haben auch wir für unsere Mitglieder der Einkaufsgemeinschaft fix neue – und bewusst langfristige – Energielieferverträge abgeschlossen.

Der Grund: Bereits im ersten Halbjahr 2025 ließ sich erkennen, dass spätere Lieferjahre (2027 bis 2029) an der Börse günstiger gehandelt wurden. Diesen Vorteil konnten wir durch frühzeitige, langfristige Vertragsabschlüsse für unsere Mitglieder sichern (Siehe Grafik unten).

Ideale Einkaufszeitpunkte

Neben dem richtigen Zeitpunkt spielt auch die optimale Vertragslaufzeit eine entscheidende Rolle dabei, ob Unternehmen ihre Energiekosten nachhaltig senken können. Wie Sie die passende Laufzeit für Ihren Energievertrag bestimmen und welche Strategien sich in der Praxis bewährt haben, zeigen wir im Artikel „Wie bestimmt man die optimale Laufzeit eines Energievertrages?“.


Die Preisentwicklung der Jahre 2016–2025

Der Vergleich der Quartalsdurchschnittspreise der Frontjahre 2016–2025 mit dem Jahresdurchschnitt des jeweiligen Jahres zeigt deutlich: In 7 der letzten 10 Jahre lagen die Preise im vierten Quartal meist deutlich über dem Jahresdurchschnitt

Das Jahr 2025 stellte eine Ausnahme dar und war im Vergleich zu den vergangenen Jahren generell von weniger Schwankungen geprägt.


Hinweis: Unter einem Frontjahr versteht man das Jahr, nach dem aktuellen Kalenderjahr. Das aktuelle Frontjahr ist also das Jahr 2027.


Quartalsweise Abweichung vom Jahresdurchschnitt der Frontjahre

Warum ist Energie in Q4 meist am teuersten?

Zum Ende des Jahres ist die Energiemarktlage häufig durch einen erhöhten Abschlussdruck seitens der Verbraucher und einer erhöhten Nachfrage geprägt, da es in der kalten und dunklen Jahreszeit mehr Energie für Heizung und Beleuchtung braucht.  

Gleichzeitig sinken die Kapazitäten der Energieversorger, insbesondere bei erneuerbaren Energien, die im 4. Quartal aufgrund jahreszeitlicher Bedingungen weniger Strom liefern – u. a. aufgrund einer geringeren Zahl an Sonnenstunden im Winter.

Die geringere Verfügbarkeit erneuerbarer Energien führt zu einer stärkeren Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, was die Preise weiter nach oben treibt.

Warum war 2025 Q1 am teuersten?

Das erste Quartal 2025 war in Deutschland das teuerste, weil mehrere kostenrelevante Faktoren gleichzeitig wirksam wurden, die den Endkundenpreis unmittelbar beeinflusst haben.

Zum 1. Januar 2025 stieg der nationale CO₂-Preis von 45 auf 55 Euro pro Tonne. Diese Erhöhung verteuerte fossile Energieträger wie Erdgas direkt und wirkte sich unmittelbar auf die Energiekosten aus.

Auch die Bundestagswahl in Deutschland und die Präsidentschaftswahl in den USA beeinflussten den Preis indirekt.

Gleichzeitig war das erste Quartal witterungsbedingt durch eine hohe Energienachfrage geprägt. Kalte Temperaturen im Januar führten zu einem erhöhten Gas- und Stromverbrauch, wodurch die Großhandelspreise zeitweise gestützt wurden und die Gasspeicher schneller als erwartet entleert wurden.

Hinzu kam eine phasenweise geringere Erzeugung aus erneuerbaren Energien, insbesondere durch niedrige Solarerträge Anfang 2025 und zeitweise schwache Windverhältnisse. Dadurch mussten häufiger konventionelle Kraftwerke eingesetzt werden, was das Preisniveau zusätzlich erhöhte.

Warum war 2022 Q3 am teuersten?

Das Jahr 2022 war von der Ukraine-Krise geprägt. Die außergewöhnlichen geopolitischen und energiewirtschaftlichen Entwicklungen haben in diesem Jahr zu besonders starken Preisausschlägen geführt, die nicht repräsentativ für die allgemeinen Markttrends sind.

Im Jahr 2023 kehrten die Preise allmählich auf ein normaleres Niveau zurück. Lagen sie zu Beginn des Jahres noch über dem Durchschnitt der Vorjahre, so sorgten eine gute Gasverfügbarkeit und sinkende Risikoaufschläge im Laufe des Jahres für einen kontinuierlichen Preisrückgang und eine Erholung vom Ausnahmejahr 2022.

Die 8 häufigsten Fehler in der Energie­beschaffung

Erfahren Sie in unserem Leitfaden, welche die acht häufigsten Fehler in der Energiebeschaffung sind und wie Unternehmen Sie vermeiden können.

Die 8 häufigsten Fehler in der Energiebeschaffung

Wann ist der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel?

Kurz gesagt: Im ersten Halbjahr ist Energie in der Regel am günstigsten. In den vergangenen 7 von 10 Jahren war das erste Quartal der beste Zeitpunkt für den Anbieterwechsel, dicht gefolgt vom zweiten Quartal.

Das liegt vor allem an den grundlegenden Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage:

  • Im Winter ist der Energiebedarf hoch und gleichzeitig stehen weniger erneuerbare Energien zur Verfügung. Entsprechend steigen die Preise.

  • Sobald die Heizperiode endet, geht die Nachfrage spürbar zurück. Gleichzeitig steht im Frühling und Sommer wieder mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung. Entsprechend sinken die Preise.

Erneuerbare Energien wirken preisdämpfend, weil sie im laufenden Betrieb keine Brennstoffkosten verursachen. Sobald sie verfügbar sind, werden sie im Markt vorrangig eingesetzt und teurere, fossile Kraftwerke wie Kohle- oder Gaskraftwerke werden seltener benötigt, um den Energiebedarf zu decken.


Warum sich ein Wechsel generell für Unternehmen lohnt und worauf dabei zu achten ist, zeigen wir in unserem Artikel zum Stromanbieter wechseln auf.


Strategisches Timing beim Energieeinkauf zahlt sich aus

Strategischer Energieeinkauf bedeutet nicht, auf den „einen perfekten Moment“ zu spekulieren, sondern Preisschwankungen bewusst für sich zu nutzen. Wer klare Entscheidungsregeln hat und den Markt systematisch beobachtet, kann Preisrückgänge gezielt für Vertragsabschlüsse nutzen und ist nicht gezwungen, in Phasen mit besonders hohen Preisen zu handeln.

In der Praxis heißt das: Es ist oft sinnvoll, einen Energieliefervertrag 1 bis 2 Jahre im Voraus abzuschließen. Unternehmen, die ihren Energieeinkauf so strukturieren, sind kurzfristigen Marktsprüngen weniger stark ausgeliefert. Sie definieren im Voraus, in welchen Preisbereichen und Zeitfenstern sie aktiv werden. Dadurch können sie deutlich souveräner entscheiden, wann sich ein Abschluss wirklich lohnt.

Dadurch erreichen Unternehmen eine bessere Budget- und Planungssicherheit, besonders in geopolitisch unruhigen Zeiten.

Diese Strategie hat vielen unserer Mitglieder geholfen, die Ukraine-Krise mit sehr günstigen Preisen zu überstehen. Verträge, die zum richtigen Zeitpunkt mit der optimalen Laufzeit abgeschlossen werden, bieten Sicherheit und schützen vor plötzlichen Preissprüngen.

Optimale Vertragslaufzeit

Gemeinsam stark: So sparen Unternehmen durch kontinuierliche Marktbeobachtung und Mengenbündelung

In der Einkaufsgemeinschaft fix sind wir ihr strategischer Partner für Ideale Einkaufszeitpunkte. Wir bündeln den Energiebedarf unserer über 29.000 Mitglieder zu rund 7 Mrd. kWh und erreichen damit eine Einkaufsmacht von etwa 2 Mrd. Euro.

Gleichzeitig fehlt vielen KMU im Alltag die Zeit, um Preise, politische Entscheidungen und Börsenentwicklungen laufend zu verfolgen. Entscheidungen werden häufig unter Zeitdruck getroffen und attraktive Preisphasen bleiben ungenutzt.

Hier setzt die Einkaufsgemeinschaft fix an. Unsere Analysten beobachten den Markt kontinuierlich, werten Daten aus und identifizieren ideale Zeitpunkte mit besonders attraktiven Konditionen. So müssen unsere Mitglieder den Markt nicht selbst überwachen und verringern das Risiko, Verträge in ungünstigen Phasen abzuschließen.

Auf diese Weise nutzen wattline Mitglieder zwei starke Hebel: die Einkaufsmacht der Einkaufsgemeinschaft und professionelle Marktanalyse. So steigen dauerhaft die Chancen auf bessere Konditionen und niedrigere Energiekosten.

Ihr Sparpotenzial

Verschaffen Sie sich Zugang zu einer professionellen Energiebeschaffung mit Konditionen, wie sie sonst nur Großkunden erhalten.

Screenshot wattline Ersparnisrechner im Device Mockup

Warum das 4. Quartal manchmal doch sinnvoll ist

Auch wenn das erste Halbjahr oft bessere Chancen auf günstige Preise bietet, gibt es Situationen, in denen ein Abschluss im vierten Quartal unvermeidbar ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Energieliefervertrag zum Jahresende ausläuft und das Unternehmen kurzfristig neue Lieferverträge benötigt. Dann geht es weniger darum, wann man wechseln möchte, sondern darum, rechtzeitig zu handeln, um die Liefersicherheit für Strom und Gas zu sichern.

Um solche Zwangssituationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, deutlich früher mit der Marktbeobachtung zu beginnen, idealerweise mehrere Jahre vor dem Auslaufen bestehender Verträge. Je länger die Restlaufzeit ist, desto mehr Zeit bleibt, Preisentwicklungen zu verfolgen, Preistiefs zu nutzen und den Wechselzeitpunkt strategisch zu planen.

Ein frühzeitiger Beitritt zu einer Einkaufsgemeinschaft, idealerweise 6 bis 12 Monate vor Vertragsende, verstärkt diesen Effekt deutlich. Je früher ein Unternehmen Mitglied wird, desto länger können Analysten den Markt beobachten und ideale Einkaufszeitpunkte identifizieren. Dadurch ergeben sich mehr Chancen auf attraktive Konditionen und Unternehmen geraten bei auslaufenden Verträgen nicht unter Zugzwang.