Iran-Konflikt und Straße von Hormus: Folgen für KMU und wattline-Mitglieder

Kurz und knapp
Seit Sommer 2025 eskaliert der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran schrittweise, mit direkten Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte.
Am 7. April 2026 haben sich die USA und der Iran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt. Der Iran hat die Wiedereröffnung der Straße von Hormus bestätigt. Die Energiemärkte reagierten sofort: Die Gaspreise stürzten am 8. April regelrecht ab, Ölpreise fielen laut energate-messenger um bis zu 16 %.
Doch die Lage bleibt fragil. Die Öffnung der Meerenge erfolgt unter iranischer Kontrolle und mit Einschränkungen. Die Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen stehen erst am Anfang. Für KMU bedeutet das: Die akute Preiskrise könnte sich entspannen, aber eine Entwarnung ist es nicht.
Für KMU bleibt die Lage kritisch: Die Preise liegen trotz Waffenstillstand weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau, und ein Scheitern der Verhandlungen könnte die nächste Preisspirale auslösen.
wattline hat zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 Tausende Erdgasverträge für seine Mitglieder abgeschlossen, zu einem Zeitpunkt, der sich im Rückblick als strategisch ideal erweist.
Der Energiemarkt ist ein äußerst sensibles System. Er reagiert auf Wetter, Speicherstände, Wirtschaft und auf geopolitische Ereignisse mit einer Intensität, die zeigt wie stark Europa inzwischen von globalen Entwicklungen abhängig ist.
Seit dem Sommer 2025 erleben wir eine Eskalationsspirale im Nahen Osten, deren Folgen nun auch in Deutschland spürbar sind.
Waffenstillstand und Wiedereröffnung der Straße von Hormus
In der Nacht zum 8. April lief das Ultimatum von US-Präsident Trump ab. Weniger als zwei Stunden vor dem Ablauf der Frist einigten sich die USA und der Iran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand. Die Vermittlung übernahm Pakistan unter Premierminister Shehbaz Sharif.
Die wichtigsten Eckpunkte:
Der Iran bestätigt die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Öl- und LNG-Tanker können wieder passieren, allerdings nur unter Koordination mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung „technischer Einschränkungen".
Iran und Oman dürfen Gebühren auf durchfahrende Schiffe erheben. Der Iran will die Einnahmen für den Wiederaufbau nutzen.
Der Iran hat einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, der unter anderem den Abzug aller US-Truppen aus der Region, die Aufhebung sämtlicher Sanktionen und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte fordert.
Für den 10. April sind Verhandlungen in Islamabad angesetzt, um ein dauerhaftes Abkommen auszuhandeln.
Irans Nationaler Sicherheitsrat hat angedeutet, dass der Waffenstillstand über die zwei Wochen hinaus verlängert werden könnte, sofern die Verhandlungen Fortschritte machen.
Was dem Waffenstillstand vorausging: Die Woche vor der Einigung war von Chaos und Widersprüchen geprägt. In einer Rede an die Nation wiederholte Trump, der Krieg sei in zwei bis drei Wochen beendet, drohte aber gleichzeitig, den Iran „in die Steinzeit zu bombardieren". Die Huthi traten in den Konflikt ein, Spekulationen über einen Bodenangriff kursierten. Die Energiepreise schwankten heftig, getrieben von wechselnden Signalen zwischen Eskalation und möglicher Einigung.
Wie reagieren die Energiemärkte auf die neusten Ereignisse?
Die Verkündung des Waffenstillstands hat einen regelrechten Preissturz an den Energiemärkten ausgelöst:
Gasmarkt:
Gas Day-Ahead TTF: -3,58 EUR auf 49,42 EUR/MWh
Gas Quartal 3/2026 TTF: -9,14 EUR auf 44,00 EUR/MWh
Gas Jahreskontrakt 2027 TTF: -6,24 EUR auf 35,42 EUR/MWh
Strommarkt:
Frontmonat Mai: -6,24 EUR auf 80,77 EUR/MWh
Jahreskontrakt Strom 2027: -6,01 EUR auf 89,10 EUR/MWh
Ölmarkt:
Brent Crude Futures: bis zu -15 Prozent
Damit hat sich Erdgas seit Beginn der Woche um fast 15 % verbilligt. Zum Vergleich: Der europäische Gaspreis hatte sich seit Beginn des Konflikts nahezu verdoppelt und erreichte am 20. März mit 59,3 EUR/MWh den höchsten Stand seit über drei Jahren. Die Gaspreise liegen trotz des Rückgangs weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau.
(Stand: 8. April 2026, Quelle: energate-messenger)
Was bedeutet das für KMU?
Kleine und mittlere Unternehmen trifft die aktuelle Lage besonders hart: Während Großkonzerne Kostenschocks über Rücklagen oder Absicherungsstrategien abfedern können, schlägt jeder Preisanstieg bei Energie und Fracht direkt auf die Marge. Was für einen Konzern eine schwierige Quartalszahl bedeutet, kann für einen Mittelständler existenzbedrohend werden.
Auch der aktuelle Waffenstillstand ändert daran grundsätzlich nichts: Die Preise liegen weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau, die Schäden an der Ras Laffan-Anlage wirken langfristig, und ein Scheitern der Verhandlungen könnte die Preise erneut in die Höhe treiben. Gerade jetzt ist eine professionelle und vorausschauende Energiebeschaffungsstrategie, z. B. innerhalb einer Energie-Einkaufsgemeinschaft, für KMU keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Warum die Preise zuvor so stark gestiegen waren
Haupttreiber des Preisanstiegs waren die Sperrung der Straße von Hormus am 28. Februar sowie die Raketenangriffe vom 18./19. März auf die Ras Laffan-Industrieanlage in Katar. Rund 17 % der katarischen LNG-Exportkapazität fallen damit voraussichtlich für drei bis fünf Jahre aus. Das erwartete Angebotswachstum am globalen LNG-Markt verschiebt sich deutlich nach hinten.
Der Angriff wirkte sich unmittelbar auf die TTF-Gas-Frontjahre aus: 2027 stieg allein dadurch um 18 %, die Frontjahre 2028 und 2029 um 16 bzw. 6 %.
Auffällig ist dabei: Die Preisanstiege konzentrieren sich vor allem auf das Frontjahr 2027. Die Kalenderjahre 2028 und 2029 sind deutlich weniger betroffen. Das ist ein Signal dafür, dass die Märkte derzeit nicht davon ausgehen, dass der Konflikt sich über das kommende Jahr hinaus in dieser Intensität fortsetzen wird.
Zusätzliche Risikofaktoren bleiben bestehen
Auch jenseits des Iran-Konflikts belasten weitere Faktoren die Energiemärkte:
El Niño: Im Pazifik mehren sich die Anzeichen für das Klimaphänomen El Niño ab Frühling/Sommer 2026. Das bedeutet deutlich steigende Temperaturen in Asien und somit eine erhöhte Energienachfrage, vor allem für Kühlung.
Physische Knappheit in Asien: Die Philippinen haben den Energienotstand ausgerufen, der südkoreanische Präsident ruft seine Bürger auf, jeden Tropfen Kraftstoff zu sparen, und Westaustralien hat Notfallbefugnisse aktiviert.
LNG-Angebotsausfälle: Eine durch einen Tropenzyklon beschädigte LNG-Anlage in Australien benötigt mehrere Wochen, um wieder vollständig hochzufahren.
Positiv: Am Golden-Pass-Terminal in Texas wurde erstmals LNG produziert. Die Anlage soll künftig bis zu 18 Millionen Tonnen LNG pro Jahr liefern. Zudem plant Deutschland laut Energieministerin Reiche über das staatliche Unternehmen Sefe langfristige LNG-Lieferverträge mit einem Volumen von 20 bis 40 Milliarden Kubikmetern für den Zeitraum 2027 bis 2036.
Welche Rolle spielt die Straße von Hormus im weltweiten Erdgas- und Erdölhandel?
Kurz gesagt: Die Straße von Hormus ist eine der weltweit wichtigsten Meerengen. Sie fungiert als Nadelöhr für den Transport von Rohöl und Flüssigerdgas (LNG) aus dem Persischen Golf, da sie den einzigen direkten Seeweg aus dieser Region in den offenen Ozean darstellt.
Hier die zentralen Fakten:
Etwa 20 % des weltweiten Erdölhandels
Täglich werden etwa 17 bis über 20 Millionen Barrel Rohöl, Kondensate und Ölprodukte durch die Meerenge transportiert. Das entspricht ungefähr einem Fünftel bis einem Viertel des weltweiten Seehandels mit Erdöl.Knapp 25 % des weltweiten Erdgashandels
Etwa ein Viertel des global gehandelten Flüssigerdgases passiert diese Route, vor allem Lieferungen aus Katar, einem der weltweit wichtigsten LNG-Exporteure.Abhängigkeit vieler asiatischer Länder
Mehr als 80 % der Ölexporte aus dem Persischen Golf gehen nach Asien vor allem nach China, Indien, Japan und Südkorea. Diese Länder sind auf stabile Transportwege durch die Meerenge angewiesen.
Abhängigkeit der Exporteure
Ländern wie dem Irak, Kuwait, Katar und dem Iran stehen praktisch keine nennenswerten alternativen Exportrouten zur Verfügung. Nicht einmal Saudi-Arabien und die VAE können mehr als einen Teil ihrer Produktion über Pipelines am Landweg an der Meerenge vorbeileiten.
Welche Folgen hat die Sperrung der Meerenge für Deutschland?
Obwohl Deutschland nicht direkt von Lieferungen aus der Golfregion abhängig ist, hat die Sperrung der Straße von Hormus bereits spürbare wirtschaftliche Folgen für die Bundesrepublik.
Die physische Versorgung beim Erdgas wird primär über sichere Pipelines aus Norwegen (44 %) und den Niederlanden (24 %) sowie durch massive LNG-Importe aus den USA (59 %) gedeckt. Da auch das Erdöl überwiegend aus anderen Regionen stammt, ist Deutschland nicht direkt von der Meerenge abhängig. Indirekt aber schon:
Da Öl und Gas auf einem globalen Markt gehandelt werden, konkurrieren deutsche Abnehmer mit asiatischen Käufern (vor allem China) um die verbleibenden Mengen, was die Preise antreibt.
Der nächste Winter könnte zum Problem werden:
Laut Bundesnetzagentur liegen die deutschen Gasspeicher aktuell bei einem Füllstand von 22,55 % (Stand: 05.04.2026), etwa 10% niedriger als im Vorjahr. Laut INES-Berechnungen wäre ein Füllstand von bis zu 81 % bis zum nächsten Winter technisch möglich, allerdings fehlen derzeit die wirtschaftlichen Anreize für eine ausreichende Befüllung. Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus könnte hier kurzfristig Entlastung bringen, sofern die Gaspreise auf einem niedrigeren Niveau verbleiben.
Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich bereits: Der ZEW-Konjunkturindex ist im März von 58,3 auf -0,5 Punkte eingebrochen. Das ist der größte Rückgang seit Februar 2022. Steigende Energiekosten belasten insbesondere energieintensive Industrien wie die Chemie- oder Stahlbranche. Gestörte Lieferketten und steigende Frachtkosten setzen zudem den Außenhandel mit Asien unter Druck.
Gibt es Länder, die von der Sperrung der Straße von Hormus profitieren?
Direkte Gewinner der aktuellen Krise sind Akteure, die Energie außerhalb der Golfregion fördern oder alternative Transportwege besitzen.
Dazu zählen beispielsweise andere Ölproduzenten außerhalb des Golfs, wie die USA, Brasilien oder Norwegen. Sie profitieren von den massiv steigenden Weltmarktpreisen für Rohöl, ohne dass ihre eigenen Lieferrouten betroffen sind.
Auch Besitzer von Umgehungspipelines, wie Saudi-Arabien, mit der East-West Pipeline zum Roten Meer und die VAE, mit der Habshan-Fujairah-Pipeline zum Golf von Oman, können teilweise profitieren. Denn sie können zumindest einen Teil ihres Öls an der Straße von Hormus vorbeileiten und so trotz Krise liefern.
Russland profitiert ebenfalls von der aktuellen Lage: Die gestiegenen Weltmarktpreise erhöhen die Einnahmen aus Öl- und Gasexporten erheblich. Laut Euronews hat Moskau in den ersten zwei Wochen des Konflikts 7,7 Milliarden Euro aus fossilen Brennstoffen eingenommen. Das sind rund 14 % mehr pro Tag als noch im Februar. Zudem wird in Washington aktuell offen über eine Lockerung der bestehenden Russland-Sanktionen diskutiert, um das globale Ölangebot zu erhöhen und die Preise zu stabilisieren.
Auch bemerkenswert: Schiffe aus China und Indien konnten die Meerenge zuletzt teilweise passieren, während europäische Lieferungen blockiert bleiben. Das verschafft diesen Ländern einen Wettbewerbsvorteil beim Zugang zu günstigerem Öl und Gas aus der Golfregion.
wattline hat frühzeitig neue Lieferverträge abgeschlossen
Die vergangenen Monate waren von zunehmender geopolitischer Unsicherheit und steigenden Risikoprämien an den Energiemärkten geprägt. Bereits im Dezember 2025 deutete sich an, dass mehrere internationale Spannungsfelder das Preisniveau im Gasmarkt weiter beeinflussen könnten.
Vor diesem Hintergrund hat wattline im Rahmen der Einkaufsgemeinschaft fix zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 für Tausende Mitglieder langfristige Erdgasverträge abgeschlossen. Die Grundlage bildete keine kurzfristige Spekulation, sondern eine strukturierte Marktanalyse sowie eine klare Abwägung der potenziellen Preisentwicklung:
Das Risiko nach oben war deutlich größer als die marginale Chance nach unten.
Während andere Marktteilnehmer die unsicheren Phasen abwarteten, organisierten wir bereits den Abschluss neuer Lieferverträge. Unser Ziel war es: Risiken frühzeitig zu begrenzen, Unternehmen vor starken Preissprüngen zu schützen und wettbewerbsfähige Preise mit maximaler Planungssicherheit zu sichern.
Die jüngsten Marktbewegungen bestätigen diese Strategie. Trotz des aktuellen Preisrückgangs durch den Waffenstillstand liegen die Marktpreise weiterhin deutlich über den Konditionen, die wattline für seine Mitglieder gesichert hat.
Bildquellen: Foto von Daniel Schuh auf Unsplash

